Matto 2012

Zum verrückt werden!

matto
So ist dieses Theaterstück buchstäblich: Man schreibt ungefähr das Jahr 1930. Irgendwo in der Schweiz liegt das urchige Dorf Randlingen mit der gleichnamigen psychiatrischen Klinik. Bereits der Name “Randlingen” verweist auf die Stellung der Insassen: Personen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Heute noch, aber damals noch  viel extremer.
Die Geschichte beginnt mit der Rückkehr des Direktors aus den Ferien, welche von Insassen und Angestellten mehr oder weniger freudig aufgenommen wird. Kurz darauf verschwinden dieser Direktor sowie einer der Patienten.

Wachtmeister Studer, der sich des Falls annimmt, befindet sich bald ständig in der Psychiatrie, umgeben von Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen, Ängsten und Ticks. Die Hauptgeschichte, den Fall um den verschwundenen Direktor aufzuklären, ist eigentlich eher Nebensache. Die einzelnen Insassen, deren Behandlung und wie die Pfleger mit ihnen umgehen steht immer mehr im Mittelpunkt.

Mehrere Herausforderungen
Chrsitine Thurnheer, Regisseurin, fand es am schwierigsten, das Verhalten der Insassen glaubwürdig darzustellen. Eigens für diese Charakterstudie wurde ein Psychiater gebeten, in die Theaterproben zu kommen, um den Schauspielern seine Erfahrungen mitzuteilen.

Einerseits konnten die SchauspielerInnen “ihren” Patienten so darstellen, wie sie sich diesen vorstellten und andererseits korrigierte der Psychiater, was er für unrealistisch hielt oder fügte eine gewisse Körperbewegung dazu. Was den Schauspielern enorm half, sich in die Rollen besser einleben zu können.

Grandios und überzeugend
Es ist bestimmt nicht einfach, in diese Rollen zu schlüpfen. Weder in jene der Patienten, noch in diejenigen der Angestellten. Was das Stück kennzeichnet, ist die ständige Bewegung; der Lichtwechsel und die (um ehrlich zu sein, manchmal unheimliche) Musik zwischen den Szenen.

Nie bleibt etwas ganz still, die Rastlosigkeit triumphiert. Während der Wachtmeister mit einem Angestellten spricht, wurstelt ein Patient im Hinter- oder Vordergrund herum. Wo ein ernstes Gespräch stattfindet, wird nebenbei etwas Lächerliches getan. Der Zuschauer kann sich so ganz leicht in den Verwirrungen der psychiatrischen Anstalt wieder finden und lässt sich nebenbei in eine angebliche vergangene Zeit entführen. “Matto” übrigens steht für den Geist des Wahnsinns, der auch heute noch überall regiert und seine silbernen Fäden spinnt.

Regie: Christine Thurnheer
Quelle: fricktal24.ch